Die Geschäftsergebnisse der privaten Versicherungswirtschaft im Jahr 2004

Wien, 14.06.2005
Die österreichische Versicherungswirtschaft zeigte 2004 wieder ein gesundes Wachstum. Vor allem die Lebensversicherung konnte erfreuliche Zuwächse vermelden.

Die positive Prämienentwicklung ist ein Indiz dafür, dass die Österreicher und Österreicherinnen der Lebensversicherung als Instrument für die private Altersvorsorge vertrauen.

Insgesamt verzeichnete die österreichische Versicherungswirtschaft im Jahr 2004 eine Steigerung der Prämieneinnahmen um 6,5 Prozent auf 13,975 Milliarden Euro. Charakterisiert war das abgelaufene Geschäftsjahr von einer Verbesserung des versicherungstechnischen Ergebnisses und der Stabilisierung der Finanzmärkte. Vor allem das Ende des Auszahlungsbooms in der Lebensversicherung aber auch fehlende große Elementarschäden und erste Erfolge des Schadenmanagements verringerten die Gesamt-Versicherungsleistungen um 9,9 Prozent auf 8,546 Milliarden Euro.

Personenversicherung
Mit einem Plus von 7 Prozent erhöhte sich das Gesamtprämienvolumen der Sparte Personenversicherung auf 8,159 Milliarden Euro. Die Gesamtleistungen der Personenversicherung mit den Sparten Lebensversicherung, Kranken- und Unfallversicherung sanken 2004 um 16 Prozent auf 4,698 Milliarden Euro.

Lebensversicherung
Als Wachstumsmotor der Branche erwies sich 2004 wieder die Lebensversicherung, deren Prämienvolumen um +8,1 Prozent auf 6,166 Milliarden Euro anstieg. Der gute Entwicklungsverlauf zeichnete sich auch bei den laufenden Prämien mit einer Steigerung von 9,7 Prozent auf 4,617 Milliarden Euro aus. Die Prämien der Einmalerläge erreichten eine Höhe von 1,55 Milliarden Euro (+ 3,7 Prozent).
Als besonders erfolgreich erwies sich die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge, die seit Anfang 2003 abgeschlossen werden kann. Mit Ende 2004 verwalteten die heimischen Lebensversicherer rund 413.000 Verträge. Das Prämienvolumen wuchs im vergangenen Jahr um 131 Prozent auf 309 Millionen Euro an.

Das Leistungsvolumen aus der Lebensversicherung lag 2004 deutlich unter dem entsprechenden Betrag von 2003. Grund dafür war, dass mit 1.1.1989 die Bindungsfrist für die steuerliche Förderung von Kapitallebensversicherungen von 15 auf 20 Jahre angehoben wurde und viele Kunden den geplanten Abschluss der Lebensversicherung auf das Jahr 1988 vorgezogen hatten. Ein Großteil dieser Verträge war 2003 fällig geworden. Der Anstieg des Leistungsvolumens im Jahr 2003 war eine einmalige Erscheinung und ist für das Lebensversicherungsgeschäft durchaus atypisch. 2004 sanken die ausbezahlten Leistungen um 21,8 Prozent auf 3,32 Mrd. Euro und erreichten wieder annähernd das Niveau von 2002.


Die Krankenversicherung mit einem Prämienplus von 3,4 Prozent (auf 1,344 Milliarden Euro) und die Unfallversicherung mit plus 4,5 Prozent (auf 648 Millionen Euro) entwickelten sich ebenfalls entsprechend gut. In der Krankenversicherung stiegen die ausbezahlten Leistungen um 1,5 Prozent auf 971 Millionen Euro, in der Unfallversicherung wurden 403 Millionen Euro (+4,9 Prozent) an Leistungen erbracht.

Die Versicherungsdichte in der Lebensversicherung nahm 2004 auf 761 Euro pro Kopf zu (vgl. 2003: 706 Euro) – damit liegt Österreich im oberen europäischen Mittelfeld.


Sachversicherung
2004 war zwar international das Jahr der Naturkatastrophen, Österreich blieb aber im Berichtsjahr von großen Elementarschäden verschont. Die Prämieneinnahmen in der Schadenversicherung (exkl. Kfz) beliefen sich 2004 auf 3,071 Milliarden Euro (+ 5,3 Prozent), an Leistungen wurden 1,831 Milliarden ausgezahlt (- 2,9%).

Nach wie vor ein großes Problem ist die Sparte Einbruchdiebstahl – ein Schadensatz von 128,4 Prozent zeigt die Notwendigkeit stärker forcierter Präventionsmaßnahmen. Fast alle Bundesländer verzeichneten 2004 steigende Einbruchszahlen, wobei Ostösterreich nach wie vor die Rekordzahlen aufweist. Die Steigerungsraten von Niederösterreich übertrafen 2004 mit rund 40% sogar die Bundeshauptstadt (+10 Prozent). Obwohl die Sensibilisierung der Bevölkerung bereits Wirkung zeigt, muss vor allem im Privatbereich das Bewusstsein für das Treffen von Vorkehrmaßnahmen noch zunehmen.

Durch konsequentes Schadenmanagement erreichte man 2004 eine nur leichte Steigerung der Versicherungsleistungen in der Kfz-Haftpflicht- und Kaskoversicherung - um 0,6 Prozent auf 2,017 Milliarden Euro. Ins Gewicht fallen nach wie vor steigende Reparaturkosten denen man mit der Promotion alternativer Reparaturmethoden wie der "Spot-repair-Methode" begegnen will.

2004 vergrößerte sich der heimische Kraftfahrzeugbestand leicht, mit Stichtag 31.12.2004 bewegten sich 5.575.677 Motorräder, Pkws und Lkws auf Österreichs Straßen - die Zulassungen nahmen um 1,2 Prozent zu. Die Prämieneinnamen in der Kfz-Sparte stiegen um 6,1 Prozent auf 2,745 Milliarden Euro.

Die Versicherungsdichte in der Nicht-Lebensversicherung (Sachversicherung inkl. Kfz) nahm 2004 auf 963 Euro pro Kopf zu (vgl. 2003: rund 920 Euro) – durchschnittlich geben Herr oder Frau Österreicher also noch mehr Geld für die Schadenversicherung als für die Personenversicherung aus, der Zuwachs der Personensparten (+7,7 Prozent) nimmt aber pro Kopf stärker zu. Dies ist ein Indiz für die steigende Wichtigkeit des Kapitalaufbaus für Alters- und Gesundheitsvorsorge.


Ausblick 2005
Das Gesamtprämienvolumen war 2004 um 6,5 Prozent auf rund 14 Milliarden Euro gewachsen, für 2005 weisen erste WIFO-Prognosen ein verlangsamtes weiteres Ansteigen aus. Österreich dürfte von der international erwarteten Wachstumsabschwächung relativ schwächer tangiert werden, dank der Exportentwicklung wird gesamtwirtschaftlich gesehen weiterhin ein Wirtschaftswachstum prognostiziert. Die Versicherungswirtschaft kann davon profitieren, vor dem Hintergrund einer relativ günstigen Konjunkturlage und einer stabilen bis moderat wachsenden Nachfrage wird ein weiteres Wachsen des Gesamt-Prämienvolumens um 5,7 Prozent erwartet. Als Motor des Wachstums sollte wieder die Lebensversicherung fungieren.


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