Geschäftsergebnisse der österreichischen Versicherungswirtschaft 2006

Wien, 5. Juli 2007
Auch 2006 verzeichnete die heimische Versicherungswirtschaft wieder gestiegene Prämieneinnahmen, dafür flossen aber auch rund 10 Milliarden Euro an Zahlungen an die versicherten Kundinnen und Kunden.

Die österreichische Versicherungsbranche setzte ihren Wachstumskurs im Jahr 2006 abermals fort: Insgesamt legten die Prämieneinnahmen der privaten Versicherungswirtschaft um 1,9 Prozent auf 15,59 Milliarden Euro zu. Die Branchenergebnisse lagen in den letzten Jahren konstant über der Entwicklung der Gesamtwirtschaft, heuer wurden sie allerdings durch den spürbaren Rückgang der Einmalerläge in der Lebensversicherung gebremst.

Die Steigerung von 10,1 Prozent auf 9,68 Milliarden Euro bei den Versicherungsleistungen ist vor allem auf die enormen Schäden im Winter 2005/2006 und die hohen Zahlungen aus planmäßig abreifenden Lebensversicherungen zurückzuführen.

Für das Jahr 2007 erwartet die österreichische Versicherungsbranche ersten Prognosen zufolge wieder einen weiteren Zuwachs beim Gesamtprämienaufkommen von etwa 3,1 Prozent.

Alters- und Gesundheitsvorsorge
Mit einem Plus von 0,8 Prozent kletterte das Prämienvolumen der Sparte Lebensversicherung auf 7,18 Milliarden Euro. Während Rückgänge bei den Einmalerlägen verzeichnet wurden, erreichte das laufende Geschäft in der Lebensversicherung einen ordentlichen Zuwachs von 6,4 Prozent. Besonders gut lief wieder die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge. Diese Form der Altersvorsorge hat sich mit einer Erhöhung des Prämienvolumens von rund 455 Millionen Euro auf rund 620 Millionen Euro auch 2006 als absoluter Bestseller der Sparte Lebensversicherung erwiesen.

Seit ihrer Einführung Anfang 2003 wurden bereits rund eine Million Verträge unterzeichnet. Das Leistungsvolumen stieg um 16,3 Prozent auf 3,97 Milliarden Euro. Die Gründe dafür liegen in den hohen Zahlungen aus abreifenden Rentenverträgen, die aus der Rücknahme von Steuerförderungen im Sommer 1996 und den zuvor eingetretenen Einmalerlagsboom 1995/96 resultieren.
In der Sparte Lebensversicherung wird sich laut Prognosen für 2007 ein Zuwachs von 3,6 Prozent ergeben.

Die private Krankenversicherung tritt in Österreich als komplementärer Partner der gesetzlichen Krankenversicherung auf. Im Jahr 2006 erreichte sie ein Prämienplus von 2,8 Prozent auf 1,44 Milliarden Euro und hat damit ihr solides Wachstum fortgesetzt. Im selben Jahr wurden rund eine Milliarde Euro an Leistungen, das ist ein Plus von 0,9 Prozent, an die Krankenversicherten ausbezahlt.

Die Prognosen für 2007 sehen für die private Krankenversicherung ein Prämienplus von 2,8 Prozent vor.

Schaden-Unfallversicherung
Das Prämienaufkommen der Sparte Schaden-Unfallversicherung (inklusive Kfz-Haftpflichtversicherung) erzielte ein Plus von 2,9 Prozent und stieg auf 6,97 Milliarden Euro. Die Leistungsseite verzeichnet eine Steigerung von 7,4 Prozent auf 4,68 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür waren die Schadenzahlungen durch die extremen Schneedruckschäden des langen Winters 2005/2006. Damit setzten sich die massiven Belastungen durch die zunehmenden Naturkatastrophen fort. Wintersturm Kyrill, der Anfang des Jahres 2007 Schäden in Höhe von 200 Millionen Euro verursachte, und die Juni-Stürme 2007 tragen zur Brisanz des Problems abermals bei.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung erreichte 2006 ein Prämienvolumen von 1,81 Milliarden Euro (+0,67 Prozent), die Kfz-Kaskoversicherung stieg um 2,93 Prozent auf rund 1,02 Milliarden Euro.

Das Jahr 2007 wird der Schaden-Unfallversicherung Prognosen zufolge einen Prämienzuwachs von 2,7 Prozent bringen. Für den Bereich Kfz-Haftpflichtversicherung wird 2007 ein Prämienplus von knapp einem Prozent erwartet.

„Minus 25 Prozent“ - Verwaltungskosten senken
Belastet werden die heimischen Versicherer aber nicht nur durch Naturkatastrophen, auch die immer wieder thematisierte Überregulierung verursacht immense Kosten. Pro Jahr verarbeitet die Versicherungswirtschaft zwischen 8 und 10 Millionen Polizzierungsvorgänge. Um der geforderten Transparenz und somit den umfassenden Informationsverpflichtungen zu entsprechen, erhalten alle Kunden der Versicherungswirtschaft gemeinsam Informationen in Papierform, die aufgestapelt jedes Jahr etwa die Strecke Wien - Graz (ca. 160 km) ergeben und Kosten in Höhe vieler Millionen Euro jährlich verursachen. Im Sinne der Initiative „Minus 25 Prozent“ der österreichischen Bundesregierung, bei der die Verwaltungskosten für Unternehmen bis 2010 um ein Viertel gesenkt werden sollen, plädiert die Versicherungswirtschaft für eine Reduktion dieser Papierausstöße.
Es muss die Möglichkeit zur Nutzung moderner elektronischer Informationsmedien wie z.B. des Internets geben. Jeder Versicherte hätte auf diese Weise immer und überall Zugriff auf persönliche Informationen von seiner Versicherung. Für Kunden, die das nicht wollen, oder die keinen Zugang zu modernen elektronischen Informationsmedien haben, käme weiterhin der Postversand für die Informationsübermittlung in Frage.

Mit einer Adaptierung im Versicherungsvertragsgesetz wäre letztlich nicht nur dem „Informationsgebot“, sondern auch dem Umweltgedanken voll entsprochen.


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