Geschäftsergebnisse der Versicherungswirtschaft im Jahr 2003

Wien, 23.06.2004
2003 war für die Versicherungswirtschaft ein Jahr der Wende zum Positiven.

Grund dafür ist, dass sich die Finanzmärkte stabilisiert haben, die Lebensversicherung wieder erfreuliche Zuwächse verzeichnen konnte und auch die Schaden/Unfall-Sparten alles in allem besser als im Vorjahr abgeschnitten haben.

Insgesamt ist die Versicherungswirtschaft im Jahr 2003 – gemessen am Prämienvolumen – um 4,1 Prozent auf 13,129 Milliarden Euro gewachsen. Vor allem wegen der ungewöhnlich hohen Ablaufzahlungen aus Lebensversicherungsverträgen, die 1988 vor Verlängerung der 15-jährigen steuerbegünstigten Bindungsfrist abgeschlossen worden waren, sind die Leistungen aus allen Sparten insgesamt um 6,8 Prozent auf 9,577 Mrd. Euro angestiegen.

Personenversicherung

Die Prämienentwicklung in den Personenversicherungssparten war im Jahr 2003 mit einem Plus von 2,18 Prozent und einem Gesamtprämienvolumen von knapp über 7,62 Milliarden Euro sehr moderat. Grund dafür ist die im langjährigen Vergleich mit plus 1,6 Prozent auf den ersten Blick unterdurchschnittliche Prämienzuwachsrate in der Lebensversicherung.

Im Detail betrachtet, hat die Lebensversicherung aber nach wie vor einen erfreulich guten Entwicklungsverlauf genommen. Denn das Aufkommen aus laufenden Prämienzahlungen – die vor allem für die persönliche Altersvorsorge von den Versicherungsnehmern bevorzugte Variante – war mit einem Zuwachs von 10,1 Prozent auf über 4,2 Milliarden Euro wieder ein deutlicher Beweis für das Vertrauen der Kunden in die Lebensversicherung. Die Einmalzahlungen waren hingegen mit insgesamt 1,6 Mrd. Euro um 15,7 Prozent geringer als 2002. Dieser Trend ist in allen großen Teilbereichen der Lebensversicherung festzustellen.

Die Krankenversicherung mit einem Prämienplus von 3,8 Prozent und die Unfallversicherung mit plus 4,6 Prozent entwickelten sich ebenfalls entsprechend gut.

Auch die Steigerung der Versicherungsleistungen in der Personenversicherung um insgesamt 17,23 Prozent auf 5,69 Milliarden Euro ist vorwiegend auf die Lebensversicherung zurückzuführen. Für sie wird aufgrund abreifender Verträge, die 1988 vor In-Kraft-Treten der steuerlich anerkannten Mindestbindungsfrist auf 15 Jahre abgeschlossen worden waren, ein Leistungszuwachs um 21,6 Prozent ausgewiesen.

In der Krankenversicherung stiegen die insgesamt ausbezahlten Leistungen um 3,2 Prozent, in der Unfallversicherung – aufgrund der zunehmend höher versicherten Summen – um 9,7 Prozent.

Sachversicherung

Die Sachversicherungssparten hatten nach den Hagel-, Sturm- und Hochwasserkatastrophen des Jahres 2002 im vergangenen – weitgehend von großen Elementarschäden verschont gebliebenen – Jahr insgesamt wieder einen normalen Verlauf: Das Prämienvolumen wuchs 2003 um 6,8 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro.

Vor allem wegen der – gegenüber dem Naturkatastrophenjahr 2002 – günstigeren Schadenverläufe in den Sparten mit Katastrophendeckung hatten die Versicherer im Vergleich zu 2002 mit 3,9 Milliarden Euro um 5,5 Prozent weniger für Schadenfälle zu leisten. Während die Feuerversicherung großteils zufriedenstellend verlaufen und insgesamt auf gutem Weg zur Sanierung ist, zählen Kfz-Haftpflicht mit einer Combined Ratio von knapp über 100 Prozent und die Kfz- Kasko mit einer Combined Ratio von 115 Prozent nach wie vor zu den verlustreichen Problemsparten.

Trends 2004

Insgesamt dürfte heuer das Prämienvolumen um knapp 5 Prozent wachsen. Die wesentlichen Impulse kommen erfreulicherweise wieder von der Lebensversicherung. Aber auch die Sachversicherung sollte wie im Vorjahr stärker als die österreichische Gesamtwirtschaft wachsen. Wenn wie bisher auch weiterhin große Katastrophenschäden ausbleiben und die Zahl der Schadenfälle in allen Sachsparten insgesamt, wenn schon nicht weiter zurückgeht, so doch zumindest nicht steigt, wird auch die Sachversicherung heuer wieder einen zufriedenstellenden Verlauf nehmen. Problembereich bleibt aber die Einbruch-Diebstahl-Versicherung.

Lebensversicherung

Heuer war im ersten Quartal ein deutliches Plus von rund 7 Prozent im Neugeschäft zu verzeichnen, wobei wieder der Wachstumsimpuls aus laufenden Prämienzahlungen kommt und die Einmalerlagszahlungen weiter – wenn auch mit minus 5 Prozent nicht mehr so stark wie in den Vorjahren – zurückgegangen sind.

Beweis für das wieder steigende Vorsorgebewusstsein ist, dass die Rentenversicherung mit einem Plus von 7,9 Prozent im ersten Quartal stark zulegen konnte. In dieser Teilsparte sind sogar die Einmalzahlungen wieder um knapp 9 Prozent gestiegen. Auch die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge wächst kräftig. Im ersten Quartal war das Prämienaufkommen mit über 64 Millionen Euro bereits halb so hoch wie das Gesamtergebnis im Jahr 2003.

EU-Pensionsfondsrichtlinie

Wichtigste Forderung der Lebensversicherer im heurigen Jahr ist die faire Umsetzung der EU-Richtlinie zur betrieblichen Altersvorsorge, wobei die Versicherer verlangen, dass für alle Instrumente der betrieblichen Altersvorsorge gleiche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Da in anderen EU-Staaten die Lebensversicherer zum Betrieb des Pensionsfondsgeschäft berechtigt sind, muss auch gegenüber diesen Versicherungsgesellschaften ein fairer Wettbewerb ermöglicht werden. Andernfalls würde Sozialkapital ins Ausland abfließen, das wir in Österreich zur Stärkung der Wirtschaft dringend brauchen. Das kann nicht im Interesse des österreichischen Staates liegen!


Pensionskonto

Wie bekannt, plant die Bundesregierung, noch 2004 Pensionskonten über die Höhe der staatlichen Pensionen einzurichten. Auch die private Versicherungswirtschaft hat die Möglichkeit der Einrichtung eines Pensionskontos für die kapitalgedeckte Altersvorsorge ausgelotet. Eine Machbarkeitsstudie des Versicherungsverbandes hat die Durchführbarkeit grundsätzlich bestätigt. Idealerweise soll eine Anbindung zur Sozialversicherung erfolgen, sodass dem Kunden sowohl die Ansprüche aus der gesetzlichen als auch aus der privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge gezeigt werden. Die Realisierung des Pensionskontos für die kapitalgedeckte Altersvorsorge wäre daher sinnvoll, wenn die Bundesregierung das Pensionskonto für die gesetzliche Altersvorsorge beschließt.

Krankenversicherung

Die private Krankenversicherung nimmt erwartungsgemäß einen normalen Verlauf. Das Prämienaufkommen stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 3,5 Prozent, die Versicherungsleistungen erhöhten sich insgesamt um knapp 2 Prozent.

Um dem anhaltenden Trend leicht sinkender Versichertenzahlen entgegenzuwirken, setzen die privaten Krankenversicherer auf die Durchsetzung von Maßnahmen zur Steigerung der Qualität der versicherten Spitalsleistungen. Das Anforderungsprofil für die Ausstattung der Sonderklasse war ein erster wesentlicher Schritt dazu. Nun sollen etwa die Privatspitälern nur mehr dann zusätzliche Mittel erhalten, wenn sie mehr Qualität bieten. Auch im Bereich der öffentlichen Krankenanstalten soll künftig die Qualität des Hauses im Vordergrund stehen und unterschiedliche Qualitäten mit unterschiedlichen Preisen honoriert werden.

Kfz-Versicherung

Die erfreuliche Schadensentwicklung des Vorjahres hat sich zu Beginn 2004 fortgesetzt, wurde allerdings durch die katastrophale Wettersituation im März beendet. Schneefall und Glatteis ließen die Zahl der Schadenfälle um 27 Prozent in die Höhe schnellen. Die Schadenzahlungen stiegen im März gegenüber dem Vergleichsmonat 2003 um 13 Prozent und verursachten weitere überproportionale Zahlungen in den nächsten beiden Monaten. Sollte die Schadensituation im März nur eine Ausnahme gewesen sein, so ist zu hoffen, dass die Kfz-Haftpflichtversicherung heuer erstmals seit vielen Jahren ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen kann.

Die Kfz-Kaskoversicherung bleibt auch 2004 insgesamt tief in den "roten Zahlen". Die Schadenhäufigkeit scheint bisher mit rund 44 Prozent konstant zu bleiben. Das heißt, dass 44 von 100 kaskoversicherten Fahrzeugen jährlich einen versicherten Schaden erleiden. Keineswegs konstant bleibt aber die Zahl der Kfz-Einbruchsdelikte. Schon im Vorjahr ist sie gegenüber 2002 um 20 Prozent gestiegen. Im ersten Quartal 2004 gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres 2003 neuerlich um 6 Prozent. Derzeit entfallen bereits 4 Prozent aller Kaskoschäden auf Einbruch-Diebstahlsdelikte. Den Löwenanteil haben aber nach wie vor die Unfall- und Glasschäden.

Die Kfz-Versicherer bemühen sich daher, vor allem die Unfallreparaturkosten in den Griff zu bekommen, und forcieren die Anwendung alternativer Reparaturmethoden wie die Windschutzscheibenreparatur durch Ausharzen von Steinschlagsspuren, das Ausdrücken von Hageldellen in der Karosserie und die "Spot-Lackierung" bei kleinflächigen Lackschäden. Darüber hinaus erwarten sich die Versicherer weitere Einsparungen durch genauere Vor- und Nachbesichtigungen gemeldeter und reparierter Schäden.

Einbruch-Diebstahl

Besondere Sorgen bereitet die Einbruch-Diebstahlversicherung. Bereits 2002 und 2003 lag die Combined Ratio in der Sparte Einbruch-Diebstahl weit über 100 Prozent. 2003 übertrafen alleine die Versicherungsleistungen mit insgesamt 59 Millionen Euro die Prämieneinnahmen um 2 Millionen Euro. Und dieser Trend hält an. Heuer wurden bereits in den ersten 5 Monaten 33 Banküberfälle registriert. Im gesamten Jahr 2003 waren es 51.

Die Versicherer werden daher besonderes Augenmerk darauf legen, dass die Geldinstitute unbedingt erforderliche Sicherheitsmaßnahmen realisieren. Auch Gewerbebetriebe sind vielfach schlecht abgesichert und geschützt, wie etwa die spektakulären Einbrüche in Juweliergeschäfte im ersten Quartal 2004 beweisen.

Vor allem aber im privaten Bereich werden Sicherheitsvorkehrungen kaum getroffen, obwohl wirksame technische Einrichtungen bereits relativ kostengünstig zu haben sind. Dass heuer im ersten Quartal die Zahl der Wohnungseinbrüche rasant gestiegen ist, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass auch Miets- und Eigentumswohnungen großteils vollkommen unzureichend gegen unbefugten Zugang geschützt sind.


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