Naturkatastrophen: Risikopartnerschaft Staat und private Versicherungswirtschaft

Wien, 31.08.2005
Beim Jahrhundert-Hochwasser des Jahres 2002 zeigten die neue Dimension und die neue Qualität der Schäden deutlich die Grenzen der Versicherbarkeit auf.

Derart große Schadenpotentiale müssen vollkommen neu erfasst und bewertet werden, sie machen aber auch deutlich, dass eine umfassende Schadenbewältigung nur unter Beteiligung der öffentlichen Hand möglich ist.

Das Hochwasser von 2002 hinterließ Gesamtschäden von etwa 3 Mrd. Euro, rund 400 Mio. Euro waren versichert. Dazu Dr. Othmar Ederer, Vorsitzender der Sektion Sachversicherung-Breitengeschäft im Versicherungsverband: "An Prämieneinnahmen aus Hochwasserdeckungen nehmen die heimischen Versicherer jährlich aber nur einstellige Millionenbeträge ein. Für die Deckung des Schadens von 2002 müssten also rund 100 Jahre ohne weiteres Hochwasser vergehen. Tatsächlich gab es im Jahr 2005 aber schon drei Mal Hochwasser-Alarm, die versicherten Schäden der heurigen Hochwässer werden im dreistelligen Millionen-Bereich liegen."

"HORA" als erster Schritt
Nach dem Hochwasser 2002 haben Österreichs Sachversicherer im VVO gemeinsam Überlegungen angestellt, ob und wie Großschäden aus Naturkatastrophen in Österreich durch Versicherungslösungen abdeckbar sind. Als ersten Schritt für eine Versicherbarkeit wurde in Kooperation mit dem Lebensministerium das bundesweite Risikozonierungssystem "HORA" für Naturkatastrophen und dem besonderen Schwerpunkt Hochwasser entwickelt. "Grundvoraussetzung für Versicherbarkeit ist das Erkennen und Bewerten von Gefahrenpotentialen - "HORA" wird dies ermöglichen und auch zur Schärfung der Risikowahrnehmung in der Bevölkerung und somit zur Begrenzung künftiger Schäden beitragen", erklärt Ederer.
In Form einer digitalen Gefahren-Landkarte wird "HORA" ab Anfang 2006 über Internet frei abrufbar sein.

Beteiligung der öffentlichen Hand
Zur Schadenbewältigung hat die öffentliche Hand bisher über den Katastrophenfonds beigetragen. Dieser aus Steuergeldern dotierte Fonds stößt aber mittlerweile an seine Grenzen. Dr. Othmar Ederer zeigt die Probleme auf: "Eine fehlende bundesweit einheitliche Regelung sowie die Benachteiligung von Privatversicherten durch Abzüge in den Zuschüssen daraus sind weitere Schwachstellen des Modells. Um das Problem in Österreich in den Griff zu bekommen, muss weiter gedacht werden. Nur als Risikopartnerschaft mit dem Staat kann es Versicherungslösungen für die vielfältigen Naturgefahren, denen Österreich ausgesetzt ist, geben."

Versicherer streben Gesamtlösung an
Seit geraumer Zeit werden mit der Regierung Gespräche geführt, nach gemeinsamen Lösungen für das Problem gesucht. Die Antwort könnte in einer Solidargemeinschaft für eine Reihe von Naturgefahren liegen, für die gemeinsam Deckung gefunden werden kann. Niemand in Österreich ist vor Katastrophen gefeit – neben Hochwässern richten auch immer wieder Murenabgänge, Lawinen und Erdbeben große Schäden an.
"Nicht die Reparatur von Schäden im Nachhinein, sondern der Aufbau einer vernünftigen, modernen Versicherungslösung für ganz Österreich steht im Vordergrund der Überlegungen", meint Ederer stellvertretend für die heimischen Sachversicherer. "Es muss dafür der gesetzliche Rahmen geschaffen werden und eine Beteiligung der öffentlichen Hand am finanziellen Risiko sicher gestellt sein."
Eine verpflichtende Lösung für die gesamte Versicherungsgemeinschaft ist dabei unumgänglich und durch die Abdeckung der breiten Risiken auch gerechtfertigt.


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