Pflegeversicherung: Private Vorsorge wird zunehmen
Wien, 5. Juli 2007
Während noch über eine Finanzierbarkeit eines staatlichen Pflegemodells diskutiert wird, bietet die private Versicherungswirtschaft bereits ergänzende Pflegevorsorge in unterschiedlichen Varianten an. Das Bewusstsein der Bevölkerung für das Pflegerisiko ist noch gering, die demografische Entwicklung lässt aber ein drastisches Ansteigen der Pflegefälle bis 2030 vermuten. Wer heute in seine Zukunft investieren möchte, sollte neben der Altersvorsorge auch an die Absicherung der Pflege denken.
Die Absicherung der Pflegebedürftigkeit ist ein vieldiskutiertes aber nicht sehr populäres Thema. Zu nahe an der eigenen Vergänglichkeit, aber zu weit weg in der Zukunft, um den Handlungsbedarf jetzt schon zu erkennen. Während es in Österreich etwa 380.000 EmpfängerInnen des staatlichen Pflegegeldes gibt, sind aber laut Prof. Dr. August Österle vom Institut für Sozialpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien rund 550.000 Personen betreuungsbedürftig. 82 Prozent der PflegegeldempfängerInnen sind über 60 Jahre alt, fast die Hälfte ist älter als 80 Jahre.
Die Zukunft der Pflege
Die große Mehrheit der Pflegebedürftigen, fast 80 Prozent, wird heute zu Hause und von weiblichen Familienangehörigen gepflegt. Dieses System wird sich auf Dauer aber nicht aufrecht erhalten lassen. Der demografische Wandel wird bis 2030 zu einer Verdoppelung der Pflegekosten führen. Statistisch gesehen werden wir alle immer älter, die Wahrscheinlichkeit und Dauer der Pflegebedürftigkeit steigen. Es kommen immer weniger Kinder zur Welt, die künftig als Betreuer und Pfleger in Frage kämen. Immer mehr Frauen sind voll berufstätig, dadurch wird die Organisation der Pflege aufwändiger und auch schwieriger zu finanzieren.
Geschätzte und tatsächliche Kosten der Pflege
Im „Trendbarometer Pflegevorsorge“ erhob Mag. Ursula Swoboda von GfK Austria im Juni 2007 die Einschätzung der ÖsterreicherInnen zur Pflegethematik und erhielt überraschende Ergebnisse.“Obwohl über 80 Prozent der Befragten angab, nicht zu glauben, dass der Staat in Zukunft für die notwendige Betreuung und Versorgung von Pflegebedürftigen aufkommen kann, ist die Bereitschaft schon jetzt privat vorzusorgen noch relativ gering.“ Gründe dafür sieht sie in mangelndem Wissen über die tatsächlichen Kosten der Pflege, aber auch im fehlenden Bewusstsein über das persönliche Pflegerisiko. „Das Risiko, dass der Partner pflegebedürftig wird, ist für die meisten Menschen viel schlimmer und wird als realistischer angenommen, als dass es einen selber treffen könnte“, weiß Swoboda. Die große Mehrheit der Befragten schätzt den monatlichen Kostenaufwand für die Pflege auf maximal 1.500 Euro pro Monat, will dafür aber nur etwa 100 Euro monatlich zahlen. Eine große Pflegelücke wird deutlich.
Private Absicherung als wichtig erkannt
Neben einem staatlichen Modell wird es auch eine private Vorsorge geben müssen, um die künftigen Pflegekosten finanzieren zu können. Das sehen auch die von GfK Befragten so: 83 Prozent erachten die private Vorsorge als wichtig, fast die Hälfte meint sogar, sie sei „überaus wichtig“. Das Vertrauen in die staatliche Unterstützung sinkt, die Wahrscheinlichkeit, demnächst eine private Pflegevorsorge abzuschließen, ist aber noch gering. Neben der unklaren Zukunft des staatlichen Pflegesystems und der damit verbundenen abwartenden Haltung in der Bevölkerung, spielen auch das mangelnde Wissen über das eigene Pflegerisiko und die Kosten dafür eine Rolle. Das Bewusstsein für die Brisanz des Themas „Pflege“ muss noch wachsen, das Niveau der Diskussion darüber befindet sich heute etwa auf dem Stand der privaten Altersvorsorge vor 15 Jahren.
Angebote der Pflegeversicherung
Die private Pflegevorsorge wird derzeit in verschiedenen Varianten in der Lebens- und Krankenversicherung angeboten: es gibt Pflegerenten-, Pflegetaggeld-, und Pflegekostenversicherungen, man kann sie als eigene Produkte oder als Zusatzversicherungen abschließen, zusätzlich werden diverse Assistanceleistungen offeriert. Da sowohl Anbieter als auch Nachfrager den Bedarf an privater Vorsorge erkennen, wird sich der Markt dafür rasch weiter entwickeln.
Die private Versicherungswirtschaft will Teil der Lösung des Pflegeproblems sein und plädiert für eine verstärkte Förderung der privaten Vorsorge. Das sehr erfolgreiche Produkt „prämiengeförderte Zukunftsvorsorge“ könnte die geeignete Basis für eine weitere Verbreitung sein. Dazu sollte die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge für die Pflege geöffnet werden, Einmalerläge müssen möglich werden. Außerdem wäre eine Reduktion des Aktienanteils durch eine Übertragung in eine Pensionszusatzversicherung für über 50-Jährige sinnvoll. In der klassischen, risikoärmeren Veranlagung der Pensionszusatzversicherung und durch Beibehaltung der staatlichen Förderung könnte für die eigene Vorsorge weiterhin Kapital angesammelt werden.
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