Lebensversicherer fordern steuerliche Gleichbehandlung

Wien, 27.10.2003
Lebensversicherer fordern steuerliche Gleichbehandlung aller kapitalgedeckter Altersvorsorgeprodukte.

Im ersten Halbjahr 2003 haben die Lebensversicherer ihre Akquisitionspolitik konsequent fortgeführt: In allen Teilsparten wurde die Vereinbarung von Verträgen mit laufender Prämienzahlung weiter forciert, Verträge mit Einmalerlägen sind stark rückläufig. Dieser Trend hat sich sogar noch verstärkt. Aus  laufenden Prämienzahlungen resultiert ein um 9,4 Prozent höheres Aufkommen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Summe der Einmalzahlungen ist um 24,6 Prozent geringer. Insgesamt ging im Halbjahresvergleich das Prämienaufkommen daher um 2,2 % auf 2,82 Mrd. Euro zurück. Auf das ganze Jahr 2003 gesehen, rechnen die Lebensversicherer aber trotzdem mit einem Wachstum, denn vor allem die neue „Zukunftsvorsorge“ ist erst zu Jahresmitte richtig angelaufen; bei einzelnen Unternehmen ergeben sich bereits Rückstände beim Polizzieren.

Im Gegensatz zu anderen EU-Staaten wie Deutschland und England hat die Kapitalmarktsituation keine letalen Auswirkungen auf die österreichischen Lebensversicherer. „Wir veranlagen nach dem Grundsatz Sicherheit und Ertrag“, sagt Manfred Baumgartl, Sprecher der österreichischen Lebensversicherer, „bei hoher Volatilität muss daher der Sicherheit mehr Gewicht gegeben werden.“ Kein einziges Unternehmen ist in Schwierigkeiten. Alle Leistungsversprechen können und werden eingehalten werden. Selbstverständlich wirken sich sinkende Zinsen auch auf die Performance der Lebensversicherer aus. „Ob und in welchem Ausmaß die Gewinnbeteiligungen verändert werden, bestimmt jedes einzelne Unternehmen frühestens zu Jahresende,“ stellt Baumgartl fest. Die Finanzmarktaufsichtsbehörde hat den garantierten Höchstzinssatz mit Wirkung ab 1. Jänner 2004 mit 2,75 Prozent festgesetzt. Auf die Gesamtverzinsung hat dies allerdings keine Auswirkung, da im Gegenzug ein entsprechender Ausgleich über die Gewinnbeteiligung stattfinden wird.

Für die Ausgestaltung der zweiten und dritten Säule sei die Lebensversicherung das am besten geeignete Produkt, meint Baumgartl. Mit dem verwalteten Kapital von knapp 41 Mrd. Euro führe die Lebensversicherer klar vor den Pensionskassen mit etwa 8,5 Mrd. Euro. „Dieser Erfolg  erklärt zwar die Begehrlichkeit des Staates, rechtfertigt sie aber nicht,“ ist Baumgartl überzeugt. Denn dass der Erfolg der konventionellen Lebensversicherung mit einer steuerlichen Diskriminierung bestraft werde, sei nur aus den Budgetnöten des Staates und mit sonst nichts zu begründen. Die  Lebensversicherungsprämien sind mit 4 Prozent von allen Altersvorsorgeprodukten am höchsten besteuert. Junge und riskante Produkte werden mit staatlichen Prämien gefördert, die Absetzbarkeit der Lebensversicherungsprämien vom versteuerbaren Einkommen wird hingegen laufend verschlechtert. Die 20-prozentige Überschussbesteuerung des Lebensversicherungsunternehmens erfasst sogar Gewinnanteile, die dem Versicherungsnehmer vertraglich zugesichert worden sind. Die Lebensversicherer verlangen daher im Zug der kommenden Steuerreform eine deutliche Entlastung für ihre Kunden, zumindest aber eine steuerliche Gleichbehandlung mit allen anderen kapitalgedeckten Altersvorsorgeprodukten herzustellen.


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