Streit um künftige Bilanzierungsregeln

Wien, 03.11.2003
Die Versicherer sind weltweit einig: Bewertung nach dem Tageswertprinzip ist für Versicherungen vollkommen ungeeignet.

Zwischen der Versicherungswirtschaft und dem International Accounting Standard Büro (IASB) mit Sitz in London ist ein Streit ausgebrochen. Es geht um die Bewertung von Aktiva und Passiva zu Tageswerten nach dem künftig auch für Versicherungen geltenden IAS-System.

Die sieben größten Versicherungsverbände, darunter die US-amerikanischen Verbände, der britische, deutsche und österreichische Verband, vertreten den Standpunkt, dass dieses Bewertungssystem aufgrund der Langfristigkeit der Vermögenswerte sowohl Versicherungsnehmer als auch Investoren und Aufsichtsbehörden über den wahren Wert eines Versicherungsunternehmens täuscht.

"Wir alle unterstützen das Ziel einer einheitlichen Rechnungslegung für Versicherer," sagt Jim Renz, Rechnungslegungschef des American Council of Lifeinsurers. "Aber wie wir dieses Ziel in einigen sehr wichtigen Teilbereichen erreichen, darüber stimmen wir nicht mit dem IAS überein."

Im bereits versendeten Vorschlag des IASB sei nur ein bruchstückhafter Ansatz ohne klares Bewertungsziel für Versicherungsverträge erkennbar, meint Dr. Louis Norman, Generalsekretär des österreichischen Versicherungsverbandes. "Der Zwang zur Bewertung nach dem Tageswertprinzip mag für andere Wirtschaftszweige richtig sein. Aber etwa für die Lebensversicherung ist sie als Arbeitsmodell nachweisbar nicht geeignet."

Die Gruppe der sieben Versicherungsverbände fordert das IASB auf, zunächst eine Definition von Versicherungsverträgen vorzunehmen, um sie von anderen Finanzerträgen unterscheiden zu können. Geeignete Offenlegungsvorschriften sollten im Anhang dazu erfolgen. Alle weiteren Anliegen sollte einer späteren Phase vorbehalten bleiben.


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