Vorsorge zukunftsfit: Ideen der Versicherungswirtschaft für die Sicherung unseres Pensionssystems
Gesellschaftliche Entwicklungen und demografischer Wandel lassen unser staatliches Pensionssystem an seine Grenzen stoßen. Zusätzliche, private Vorsorge ist unverzichtbar geworden. Um diese Vorsorge zukunftsfit zu machen, müssen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen flexibler werden.
Die Überalterung unserer Gesellschaft ist eine Folge von gestiegenen Lebenserwartungen und sinkenden Geburtenraten. Ein heute 65 Jahre alter Mann wird voraussichtlich rund 81 Jahre alt, eine heute 65-jährige Frau kann sich sogar über fast 20 zusätzliche Lebensjahre freuen. Die erste, staatliche, Säule unseres Pensionssystems stößt aber angesichts solcher Entwicklungen schon längst an ihre Grenzen. Zusätzliche Vorsorge ist daher unverzichtbar.
Das hat auch der Staat erkannt und fördert daher die Eigenvorsorge, z.B. in Form der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge.
Staatlicher Anreiz erhöht private Vorsorgebereitschaft
Seit die „prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge“ 2003 präsentiert wurde, konnten mit jedem Jahr mehr Österreicherinnen und Österreicher von der Wichtigkeit der privaten Altersvorsorge und den Vorteilen dieses Produktes überzeugt werden. Dazu GD KR Herbert Fichta, Präsident des österreichischen Versicherungsverbandes VVO: „Wir liegen mittlerweile bei über 1,1 Millionen Verträgen und verwalten in der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge ein Vermögen von bald 2 Milliarden Euro.“ Angesprochen auf die Börseturbulenzen des vergangenen Jahres kann er beruhigen: “Obwohl das Produkt einen gesetzlich vorgeschriebenen Aktienanteil von 40 Prozent aufweist, hat die amerikanische Subprime-Krise weder den heimischen Versicherungen noch der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge geschadet. Außerdem ist dieses Produkt mit Kapitalgarantie ausgestattet, so dass niemand um seine Altersvorsorge fürchten muss.“
Mit Optimierung fit für die Zukunft
Gerade weil so viele Menschen der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge ihr Vertrauen schenken, sollte sich das Produkt geänderten Bedingungen anpassen und flexibler werden können. Dazu Fichta: „Schon seit längerem ist eine Reform der Zukunftsvorsorge angedacht, bisher ist es dazu allerdings nicht gekommen. Sinnvoll wäre neben der Ermöglichung des Einmalerlages oder der Reduktion des Aktienanteils für Kunden ab einem Alter von über 50 Jahren auch eine Öffnung der Zukunftsvorsorge für die Pflege. Auch wenn der Staat eine Pflegereform eingeleitet hat, so sind doch die Kosten für die Pflege sehr hoch und können aus den angesparten Rücklagen der meisten Menschen kaum bezahlt werden.“
Pflegevorsorge mit staatlichem Anreiz
In der privaten Pflegeversicherung bestehen derzeit etwa 39.000 Verträge. Die Unsicherheit in der Bevölkerung über die selbst zu tragenden Kosten und das tatsächliche Risiko, zum Pflegefall zu werden, führen zu einer abwartenden Haltung. Nach Einschätzung des VVO-Präsidenten ein gefährlicher Stillstand: „Der objektive Bedarf nach einer privaten Pflegeversicherung ist stark, aber das subjektive Bedürfnis des Einzelnen eine Pflegeversicherung abzuschließen ist eher gering, da die Kosten unter- und die staatliche Leistung überschätzt wird. “
Fichta weiter: „Es wäre wichtig, dass von politischer Seite ein Signal in Richtung Förderung privater Pflegevorsorge gesetzt wird. Allerdings geht die Diskussion hinsichtlich Finanzierung der Pflege in eine andere Richtung – es wird eher eine staatliche Pflegeversicherung diskutiert. Diese Lösung erscheint uns nicht geeignet, da die Lohnnebenabgaben in Österreich ohnedies schon entsprechend hoch sind.“
Es sei auch notwendig, die Diskussion in der Öffentlichkeit weiter am Leben zu erhalten, da das Problem der „Pflegelücke“ sich in Zukunft nur vergrößern werde. „Um dem „Zuwarten“ ein Ende zu machen und die Nachfrage zu steigern, bietet sich die Öffnung der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge für die Pflege an. Staatliche Förderung und steuerliche Anreize haben immerhin über eine Million Versicherte überzeugt, das Konzept würde sich auch bei der Pflegevorsorge bewähren“, zeigt sich der VVO-Präsident zuversichtlich.
Auch die 2. Säule muss tragfähig sein
Verhalten zeigt sich die wichtige 2. Säule unseres Pensionssystems, die betriebliche Vorsorge. Obwohl über die betriebliche Kollektivversicherung seit Ende 2005 die Möglichkeit zur besonders sicheren Mitarbeitervorsorge besteht, nehmen erst wenige Unternehmen dieses Angebot wahr. Es handelt sich dabei um ein Vorsorgemodell in Form einer Lebensversicherung mit garantiertem Wertzuwachs, jährlich unverfallbaren Gewinnzuteilungen und auch einer garantierten Rentenleistung in der Pensionsphase. „In Zeiten volatiler Börsen ist sie die einzige Form, die Pensionen der Mitarbeiter/innen sicher steigen zu lassen“, ist Fichta überzeugt. Der öffentliche Ruf nach einem Pensionsvorsorgemodell, das mit Garantien und ohne Kürzungen der Pensionen arbeitet, sei in der betrieblichen Kollektivversicherung bereits vorweggenommen.
Um die betriebliche Vorsorge zu stärken sieht Fichta verschiedene Lösungsmöglichkeiten: „Neben einem staatlichen Anreiz – zum Beispiel in Form der Erhöhung des Freibetrages, der seit 1975 nicht mehr angehoben wurde, wären auch die Möglichkeit von variablen Zuzahlungen und Gewinnbeteiligungsmodellen sehr sinnvoll.“
Auch die Wechselmöglichkeit von einer Pensionskassenlösung auf eine betriebliche Kollektivversicherung sieht die Versicherungswirtschaft als Chance für eine weitere Absicherung der Mitarbeiter. „Momentan ist ein Umstieg kompliziert und nur für das ganze Unternehmen möglich. Man sollte aber auch dem einzelnen Arbeitnehmer schon während seiner aktiven Arbeitszeit die Möglichkeit des unbürokratischen Wechsels bieten“, meint Fichta.
Steuernachteile bei Vorsorgeprodukten aufheben
Auch in der Besteuerung von Vorsorgeprodukten ortet der VVO-Präsident ein Problem. „Beiträge zur privaten und betrieblichen Vorsorge sollten steuerlich gleich behandelt werden. Nur dann erreichen wir eine möglichst große Akzeptanz der privatwirtschaftlichen Vorsorge. Auch die 11%-ige Versicherungssteuer für kurzfristige Einmalerläge in der Lebensversicherung benachteiligen unsere Kunden, wir halten hier die Reduktion auf die in der Lebensversicherung üblichen vier Prozent für angemessen.“
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