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Seniorenunfälle: Wenn die eigene Wohnung zur Gefahr wird

24. Oktober 2012 - Mehr als 148.000 Menschen über 65 Jahre verunfallen jedes Jahr in Österreich. Bei rund 85 Prozent der Unfälle zu Hause handelt es sich um Stürze



Mehr als 148.000 Menschen über 65 Jahre verunfallen jedes Jahr in Österreich. Bei rund 85 Prozent der Unfälle zu Hause handelt es sich um Stürze – sie stellen mit Abstand das höchste Gesundheitsrisiko (mit Todesfolge) für Senioren da. Oft werden die eigenen vier Wände zur Todesfalle, wie eine aktuelle Studie des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) zeigt: Das Eigenheim ist Gefahrenzone Nummer Eins. 



Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung so zeigt sich, dass immer mehr Menschen das Glück haben immer älter zu werden. „Leider steigt mit zunehmendem Alter auch die Gefahr, einen Unfall zu erleiden. In Österreich verletzten sich im Jahr 2011 mehr als 148.000 Menschen über 65 Jahre so schwer, dass sie im Spital behandelt werden mussten. Das waren mehr als 400 Senioren täglich! Beinahe die Hälfte all dieser Unfälle ereignete sich in den eigenen vier Wänden. Die Gefahr wird von vielen stark unterschätzt“, erläutert Dr. Luciano Cirinà, Präsident des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO).  

Stürze: Pro Tag beinahe ein tödlicher Unfall eines Seniors zu Hause

Das mit Abstand größte Unfallrisiko für ältere Menschen ist der Sturz: Rund 85 Prozent der Unfälle zu Hause sind auf einen Sturz zurückzuführen. „Betrachtet man die erschreckenden Unfallzahlen, so zeigt sich, dass mehr Menschen bei Stürzen verunfallen als im Straßenverkehr“, erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV. Bei der Zahl der tödlichen Seniorenunfälle wird die Problematik noch deutlicher: Mehr als 40 Prozent der tödlichen Seniorenunfälle sind Sturzunfälle. So starben in Österreich im Jahr 2011 679 Menschen über 65 Jahren bei Stürzen – viele ereigneten sich in den eigenen vier Wänden. Durch rechtzeitig ergriffene Maßnahmen wäre es möglich, eine Vielzahl der Unfälle zu vermeiden. Dennoch ist die Bereitschaft, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu ergreifen, gering. „Nach wie vor ist die vorsorgliche Sicherung der eigenen vier Wände für Senioren ein Tabuthema. Der Grund hierfür liegt darin, dass eine Sicherheitsvorsorge auf ein mögliches Passiv-Werden im Alter verweist und das stört die Selbstverständlichkeit des gewollten Aktiv-Seins. Zu einer wirklichen Auseinandersetzung mit der Thematik kommt es in der Regel erst im Zusammenhang mit Leidenserfahrungen“, so Thann.

Gefährliche Stolperfallen

Tatsächlich sind Unfälle in den eigenen vier Wänden keine Zufälle – sie haben Ursachen, die meist recht banal sind und nicht gefährlich erscheinen, wie eine aktuelle Studie des KFV deutlich zeigt: Risiko-Hotspot Nummer Eins im eigenen Zuhause ist der Wohn- und Schlafbereich (53 Prozent der Unfälle), also jener Bereich, in welchem man sich am meisten bewegt. Treppen im Innenbereich sind bei 15 Prozent der Unfälle Ort des Geschehens, gefolgt von der Küche (14 Prozent). Häufige Mängel und Stolperfallen sind im Weg stehende Möbel (83 Prozent), fehlende Griffe oder Handläufe (79 Prozent) oder mangelnde Beleuchtung (77 Prozent). In fast zwei Drittel der Wohnungen (60 Prozent) waren Kabel beispielsweise von Stehlampen nicht montiert und lagen auf dem Boden – sie können schnell zu einem Sturz führen. In mehr als jedem zweiten Seniorenhaushalt (55 Prozent) stehen Teppichkanten- und –ecken nach oben oder rutschen. „Stürze ziehen bei älteren Menschen oft drastische gesundheitliche Folgen nach sich. Abhängig von den Umständen des Unfalls kann es zum Beispiel zu Hüftfrakturen oder einem Schädelhirn-Trauma kommen“, warnt Thann.

Mehr als 10.000 Unfälle wären vermeidbar!

Jeder Unfall hat seine Ursachen und ist daher vermeidbar. „Unser Ziel ist es, Menschen davon zu überzeugen, rechtzeitig in ihrer Wohnung vorzusorgen. Denn jeder kann mit einfachen Mitteln geeignete Vorkehrungen für die eigene Sicherheit treffen. Ein paar technische Verbesserungen und Achtsamkeit auch bei Routinearbeiten könnten schon viele Unfälle im Vorfeld verhindern“, weiß Thann. So helfen z.B. Lampen, die durch einen Bewegungsmelder eingeschaltet werden, oder Leuchtstreifen, Stufen gut erkennbar zu machen, auch wenn man selbst nicht mehr gut sieht. Neben baulichen Maßnahmen ist auch die körperliche Fitness von entscheidender Bedeutung. Ausreichend Bewegung und regelmäßiger Sport sowie Gleichgewichtsübungen können das Leben um viele Jahre verlängern und Unfälle verhindern. „Wichtig ist, sich mit der Problematik des Älterwerdens auseinanderzusetzen, um sein eigenständiges Leben in den eigenen vier Wänden und seine Mobilität so lange wie möglich erhalten zu können“, schließt Cirinà.

Wussten Sie, dass...


... sich durchschnittlich rund 143.000 Menschen (2011: rd. 148.000) über 65 Jahre in Österreich so schwer verletzen, dass sie im Spital behandelt werden müssen.

… rund 85 Prozent der Unfälle zu Hause auf einen Sturz zurückzuführen sind.

…beinahe jeden Tag ein tödlicher Sturzunfall eines Seniors in den eigenen vier Wänden passiert.

… Unfälle durch einfache Sicherheitsvorkehrungen in den eigenen vier Wänden und Maßnahmen wie der Steigerung der körperlichen Fitness viele Unfälle bereits im Vorfeld verhindert werden könnten.

Download "Was den seniorengerechten Haushalt ausmacht"

© VVO 2014
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